Helmuth Macke: Der wiederentdeckte Expressionist

Gemälde "Segelboot und badende Frauen" von Helmuth Macke

Er war live dabei, als der Expressionismus geboren wurde und gehörte zur Avantgarde: Der Maler Helmuth Macke (1891-1936). Helmuth? Hieß der nicht August? Nein, Helmuth war der Cousin des berühmten Künstlers August Macke und geriet im Gegensatz zu diesem etwas in Vergessenheit. Doch jetzt sind seine Bilder wieder zu sehen – im Museum August Macke Haus in Bonn.

Er stand stets im Schatten seines berühmten Cousins. Gut 80 Jahre nach seinem Tod werden Helmuth Mackes Bilder derzeit wiederentdeckt. Unter dem Titel „Helmuth Macke im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“ sind im Museum August Macke Haus bis zum 17. Juni rund 120 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen zu sehen. An der Qualität der farbenfrohen, expressiven Bilder liegt es wohl kaum, dass der aus Krefeld stammende Maler Helmuth Macke wenig bekannt ist. Seite an Seite hängen seine Bilder heute mit den Arbeiten seiner Freunde wie Erich Heckel, Heinrich Campendonk, Gabriele Münter und Alexej von Jawlensky.

Ein Selbstporträt von Helmuth Macke
Helmuth Macke: Selbstporträt

Maler des Expressionismus
Der Maler hatte sehr klare Vorstellungen von Kunst und ein gutes seinen zeitgenössischen Kollegen war Helmuth Macke als talentierter Maler anerkannt. Seine Bilder mit ihrer expressionistischen Farb- und Formensprache kommen uns heute ganz vertraut vor. Ähnliches haben wir immer wieder bei Malern der beliebten expressionistischen Künstlergruppen „Brücke“ oder „Der Blaue Reiter“ gesehen. Deren Bilder finden sich ja heutzutage als Kunstdruck in jedem zweiten Bürogebäude. Doch zu seiner Zeit war Helmuth Mackes Stil ungewöhnlich.

bemalte Schlafzimmermöbel von Helmuth Macke
Blick in die Ausstellung: von Helmuth Macke bemalte Schlafzimmer-Einrichtung

Zwei Mackes und Franz Marc
Der Maler hatte sehr klare Vorstellungen von Kunst und ein gutes Urteilsvermögen. Er war es, der zusammen mit seinem Cousin August in einer Münchner Galerie auf Bilder Franz Marcs stieß. Dort wurde Marc unter „ferner liefen“ geführt, weil seine Bilder absolute Ladenhüter waren. Helmuth Macke berichtete später in einem Brief, er habe quasi beim Hinausgehen eine halb hinter einem Schrank versteckte Lithografie Marcs herausragen sehen. Er zog sie hervor: Der Beginn einer großen Freundschaft. Er und August nahmen Kontakt zu Marc auf und die drei wurden enge Freunde. Thema ist aber bis heute meist nur die Verbindung zwischen August Macke und Marc. Da hängt zum Beispiel im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster das berühmte Wandbild „Das Paradies“, dass Marc zusammen mit August Macke in dessen Bonner Atelier malte. Vergessen ist, dass auch Helmuth Macke 1909/10 mehrere Monate mit Marc zusammen in Sindelsdorf am Tegernsee wohnte und arbeitete.

Das Gemälde "Zwei Reiter" von Helmuth Macke
Helmuth Macke: Zwei Reiter

Dramen und zerstörte Bilder
Doch warum verschwand Helmuth Macke in der Versenkung? Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Zum einen galt Helmuth Macke als schwieriger Charakter. Geplagt von Selbstzweifeln schwankte er häufig zwischen Hochgefühl und Niedergeschlagenheit. Unstet wechselte er seine Wohnorte, zog er zwischen seiner Heimatstadt Krefeld, August Mackes Haus in Bonn, München, Berlin und später Italien und der Schweiz hin und her.

„Er stand sich manchmal selbst im Weg.“
Kuratorin Ina Ewers-Schultz über Helmuth Macke

Hinzu kamen Kriege und persönliche Dramen. Der Tod des Cousins August und Franz Marcs traf Helmuth Macke bis ins Mark. Beide fielen im Ersten Weltkrieg. Auch er selbst litt später noch unter den Folgen einer Kriegsverletzung und einer Malaria-Erkrankung. Nach dem Krieg konnte er von seiner Kunst wohl kaum leben. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden die Möglichkeiten, seine Bilder zu verkaufen noch schlechter. Helmuth Macke zog sich an den Bodensee zurück, wo er mit seiner Frau eine Pension in der Alten Mühle in Hemmenhofen betrieb – bis zu seinem dramatischen Tod: 1936 ertrank er 45jährig bei einem Bootsunglück im Bodensee. Selbst nach seinem Tod ging das Drama um diesen Künstler weiter: Viele seiner Bilder verbrannten im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff auf seine Heimatstadt Krefeld.

Museum August Macke Haus, Hochstadenring 36, 53119 Bonn

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