Kunst als Spielplatz: Outdoor-Ausstellung in der Bundeskunsthalle

Abstrahierte Keramik-Gartenzwerge von Thomas Schütte

Hier kommt mein zweiter Kunst-Ausflugstipp für den Sommer. Nach Kunst und Genuss geht es jetzt um Kunst und Spaß. Kunstwerke zum Benutzen und Spielen gibt es jetzt auf dem Dach und dem Vorplatz der Bundeskunsthalle in Bonn.

 

Nur nichts anfassen! So lautet ja normalerweise der Benimm-Code in Museen. Die Bundeskunsthalle in Bonn will davon ein wenig wegkommen. Ein Schritt in diese Richtung ist die Ausstellung „The Playground Project. Outdoor“, die bis zum 28. Oktober zu sehen und zu benutzen ist.

Eine Ausstellung als Spielplatz

Die Ausstellung ist tatsächlich ein großer Spielplatz – nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Die Besucher können Schaukeln, Rutschen, Kickern, Skaten, Bauen, Ballspielen und Singen. All das, was man so als Kind gemacht hat, aber eben normalerweise nicht mehr tut. Die Dinge, die durch den Alltag verdeckt sind wieder zu entdecken – das ist das Angebot, das die Ausstellung den Erwachsenen macht. Kinder werden ohnehin ihren Spaß haben. 18 Künstler haben dafür gesorgt. Ich stelle Euch einige der „Nutz“-Kunstwerke vor.

Carsten Höllers Rutschbahn an der Bundeskunsthalle
Carsten Höller: Bonner Rutschbahn

Carsten Höllers Rutschbahn

Carsten Höller hat an der Bundeskunsthalle eine gewundene, 35 Meter lange Rutschbahn installiert. Durch die Röhre kann man 13,6 Meter tief vom Dach der Bundeskunsthalle auf den Vorplatz rutschen. Höller beschäftigt sich schon seit 20 Jahren mit Rutschbahnen. Bekannt wurde er vor allem 2006 durch seine Installation mit fünf Rutschbahnen in der Tate Modern in London. Die größte ist 55,5 Meter lang. Doch was ist daran Kunst? Das fragte ich Carsten Höller. Rutschen, so meint Höller, verändere die Wahrnehmung. Beim Rutschen verliere man auf eine ganz spezifische Art und Weise kurz den Verstand.

„In diesem kurzen Moment, in dem man seinen Verstand einmal abstellt, da passiert tatsächlich auch etwas, das künstlerisch ist.“

Schaukeln auf dem Dach der Bundeskunsthalle

Spielend leicht wird Kunst auch, wenn man auf dem Dach der Bundeskunsthalle die Beine auf einer Schaukel schwingen lässt und in die Landschaft schaut. Im Schaukelpark des dänischen Künstlerkollektivs Superflex wird man als Besucher zugleich Teil dieser lebendigen Installation. Denn so richtig funktioniert dieses Kunstwerk nur dann, wenn möglichst viele Schaukelnde zusammenarbeiten. Ausstellungs-Kuratorin Susanne Kleine formuliert es so:

„Der Besucher wird zum Kollaborateur der Kunst.“

Der Schaukelpark von Superflex auf dem Dach der Bundeskunsthalle
Superflex: One Two Three Swing!

Wasserspiele gegen die Hitze

Ein gutes Mittel gegen die Sommerhitze ist die Installation des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Er schuf für den Vorplatz der Bundeskunsthalle Räume aus Wasserfontänen, die ständig andere Formen annehmen. Man kann und soll diese Räume betreten. Nasswerden programmiert!

Kunst-Erfahrung mit dem Skateboard

Eine neuartige Kunsterfahrung ermöglicht auch die Installation „if we are dead, so it is“ des luxemburgischen Künstlers Michel Majerus (1967-2002). Er wurde bekannt dafür, dass er mit seinen Bildern nicht nur di üblichen Größen sprengte, sondern auch Wege fand, sie in die Dreidimensionalität auszusehnen. Seine Skaterrampe, die auf dem Vorplatz der Bundeskunsthalle aufgebaut wurde, ist ein Beispiel dafür. Das 400 Quadratmeter große und mit Schablonen handgemalte Bild dürfte wohl weltweit eines der größten sein. Um es zu sehen, muss man es befahren oder begehen. Je nach Standort des Betrachters ändert sich die Ansicht. Die fragmentarische Lesart des Bildes wird durch die Bewegungen des Betrachters bestimmt und verändert.

Tische mit weißen Legosteinen von Olafur Elíasson
Olafur Elíasson: The collectivity project

Bauen mit Olafur Elíasson

Auch Olafur Elíasson versteht Kunst als partizipativen Prozess. Bekannt ist er dänische Künstler, der in Berlin lebt, ja vor allem durch seine Kunstwerke, die mit Licht arbeiten. Nach Bonn schickte er aber eine Tonne weiße Legosteine. Sie wurden auf speziell auf die Architektur des Dachgartens abgestimmte Tisch-Flächen verteilt. Die Besucher sind dazu aufgefordert, mit den Steinen zu arbeiten. So verändert sich das Werk fortlaufend.

Karaoke-Singen auf dem Dach der Bundeskunsthalle

Wer von der ganzen Spielerei müde geworden ist, kann sich bei  Alvaro Urbano ausruhen. Der Spanier baute künstliche Felsbrocken, die eine Art urzeitliche Landschaft bilden. Ein Steinblock ist durch eine Tür begehbar. Es öffnet sich eine Höhle, die mit Matratzen ausgelegt ist. Auf einem anderen Felsbrocken befindet sich eine Grillstation. Und dann vielleicht noch eine kleine Gesangseinlage. Möglich ist das im Karaoke-Container von Christian Jankowski.

Bronze-Bowlingkugeln von Nevin Aladag
Nevin Aladag: Bowling Cannonballs

Zwergenfamilie von Thomas Schütte

Mit den Assoziationen von Spiel arbeiten die Installationen von Thomas Schütte und Nevin Aladag. Die Künstlerin mit türkischen Wurzeln formte Kanonenkugeln aus dem 17. Jahrhundert aus einem anatolischen Museum in Bronze ab und legte sie auf einen Orientteppich. Die Kugeln wurden mit den für Bowling-Kugeln typischen drei Löchern versehen. Hier wird mit Erwartungshaltungen gespielt, denn die Kugeln sind viel zu schwer, um die tatsächlich zu benutzen. An die Phantasie der Besucher appelliert auch Thomas Schüttes überdimensionale, abstrahierte „Gartenzwerge“ aus bunter Keramik, die Ihr ganz oben seht.

Wer sich dann noch seinem Spieltrieb folgen möchte, kann sich an den spiegelnden Tischtennisplatten von Rirkrit Tiravanija oder den mit Frauenfiguren bestückten Fußball-Kickern von Ina Weber betätigen.

Übrigens gibt es ab dem 13. Juli auch noch eine Indoor-„Playground“-Ausstellung in der Bundeskunsthalle.

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